Wie ich zum Investieren gekommen bin

Bisher war ich, was Wertpapiergeschäfte angeht, eher zurückhaltend, sehr konservativ, man könnte sagen ‚begrenzt‘ eingestellt. Lange war ich überhaupt nicht mit dem Thema Finanzen und Geldanlage betraut, doch dazu später mehr. Ich habe mich stark an konservative Strategien, wie das „Weltportfolio“ von Gerd Kommer, gehalten, das er unter anderem in seinem Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ beschreibt. Seit Mitte des Jahres habe ich also ein Depot bei der Consorsbank mit zwei Sparplänen und bespare dort fleißig zwei ETFs. Einen auf den MSCI World, der ca. 75% meines Depotwertes abdeckt, und einen auf den MSCI Emerging Markets, der die restlichen 25% darstellen soll. Eine abgespeckte und einsteigerfreundliche Version des Weltportfolios.

Für alle die genaueres wissen wollen:

Die Sparpläne laufen gut und ich bin zufrieden mit meinem Depot. Auch heute noch halte ich das Weltportfolio für eine gute, langfristige Anlage und wirkungsvolle Möglichkeit zum Vermögensaufbau.

Mein Start in die Welt der ständigen Weiterentwicklung

Früher war ich einer der Menschen, die sich nicht viele Gedanken über Finanzen machen, die ein Konto für alles haben und sich jedes Mal Sorgen machen, wenn sie zwangsweise mal wieder auf ihr Konto schauen müssen, weil sie eine Überweisung machen müssen oder ähnliches. Ich hatte überhaupt gar keinen Überblick über Einnahmen und Ausgaben. Heute dagegen, schaue ich gerne und zuversichtlich auf mein Konto.

Am Anfang des Jahres habe ich mir, so nannte ich ihn damals, einen „Zuteilungsplan“ ausgearbeitet. Dieser war nach dem Vorbild von Alex Fischer aus seinem Buch „Reicher als die Geissens“ gestrickt, welches ich zu der Zeit als Hörbuch, immer wenn ich mit dem Auto unterwegs war, hörte. Danke an dieser Stelle an Alex Fischer für diese ersten Impulse. Auch wenn ich bei weitem nicht alles aus seinem Buch umsetzte, war dies doch der Zündimpuls und Grundstein für meine finanzielle Situation und mein Mindset heute.

Mein erstes Finanzbuch war tatsächlich der Klassiker „Rich Dad, Poor Dad“ von Robert Kiyosaki, doch die Tragweite der Sprüche und Maximen, die er in seinem Buch vermittelt, verstand ich zu der Zeit noch nicht. Heute weiß ich, welche fundamentalen Lehren er dort und in seinen anderen Büchern prägt, wie die Unterscheidung zwischen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, die Notwendigkeit von finanzieller Bildung und den „Cashflow-Quadrant„.

Ich komme aus einer ‚mittelständischen‘ Familie. Meine Eltern hatten (und haben) beide einen guten Angestellten-Job. Ich bin dankbar für den Start ins Leben, den meine Eltern mir ermöglicht haben. Hätte ich es doch durchaus deutlich schwerer haben können. Geld war allerdings, wie in so vielen deutschen Familien, ein Thema über das man nicht redete. Als ich nach der Ausbildung zuhause auszog, in eine fremde Stadt, um dort einen Job anzunehmen, hatte ich zwar neben viel Unterstützung auch etwas Geld mitbekommen, aber nicht wirklich die finanzielle Bildung, um mit diesem Geld etwas sinnvolles anzufangen, oder für die Zukunft zu haushalten. Der Plan war hart zu arbeiten, genug zu sparen, um ab und zu mal in den Urlaub fliegen zu können, sich ein Auto und irgendwann ein Haus zu leisten, und das bis zur Rent so durchzuziehen.

Und was hat sich geändert?

Ich weiß nicht, warum ich anfing, mich erst mit Unternehmertum, dann mit Persönlichkeitsentwicklung und später mit Finanzen auseinander zu setzen. Ich las, hörte und sah immer mehr darüber. Meine Aufmerksamkeit verschob sich immer mehr von Zeitverschwendung hin zu konstruktiven Aktivitäten. In der Berufsschulzeit gründete ich mit einem damaligen Kollegen eine Firma. Eine kleine GbR, die nur aus uns beiden und ca. 500 EUR Kapital bestand. Wir waren uns einig, nicht bis ans Ende unseres Lebens für andere Menschen arbeiten zu wollen. So suchten wir eine Geschäftsidee und bald lieferten wir nachts Getränke, alkoholisches und Party-Bedarf in der Kleinstadt aus, in der wir lebten. Unsere Ware kauften wir ganz einfach in Supermärkten zu Angeboten, oder bei beim Cash&Carry. Der Hang zum Unternehmer und zur Wirtschaft war also auch da schon vorhanden. Aus dieser Zeit kommt der festgebrannte Wunsch, nicht bis ins hohe Alter meine Zeit verkaufen zu müssen.

Wozu das alles führte

Mit der Einführung des „Zuteilungsplans“ hatte ich meine Finanzen nun also halbwegs im Griff. Nicht viel später begann ich damit, fleißig in meine Sparpläne einzuzahlen.

Doch da musste irgendwie noch mehr sein. Überschüsse, die ich generierte, wie z.B. das Weihnachtsgeld, Geldgeschenke oder Haushaltsüberschüsse, landeten neben der monatlichen Zuteilung für Investments, stets auf dem Investment-Konto. Was also tun mit dem Kapital, das dort tot herumliegt und vor sich her inflationiert? Einfach die Sparquoten der Sparpläne erhöhen schien mir nicht richtig, da ich von Anfang an lernte, Cashflow und Kapital getrennt zu bewerten. Vor allem hätte ich die Sparquote dann bald wieder anfassen müssen, wenn das übrige Kapital zu Cashflow geworden wäre und kein Geld mehr da wäre, um über meine monatliche Zuteilung hinaus einzuzahlen. Doch ich wollte Konsistenz und darüber hinaus auch die Sparpläne möglichst wenig verändern, um das Geld einfach aus den Augen zu haben. Geld, das für Investments eingeplant war, konnte ich nicht mehr sinnlos ausgeben. Noch heute bin ich der Meinung, dass wenn Geld rumliegt, es auch ausgegeben wird. Hierzu gibt es sogar ‚Gesetze‘, siehe Parkinsonsche Gesetze.

Natürlich war es auch nicht unerheblich für mein weiteres Wachstum, dass mich das ganze Thema Finanzen einfach interessierte. Ich hatte schon vorher, ursprünglich als Experiment, doch dann immer wieder als Kapitalanlage, Geld in P2P-Kredite abgeschoben. Ich nutze für meine P2P-Kredite übrigens noch immer die Plattform Mintos. Mintos hatte ich in einem vorherigen Blogartikel vor einiger Zeit, damals noch auf Englisch, bereits beschrieben.

Ich fing also an, mich mit Dividendenstrategien, Value-Investing und allgemein stärker mit Aktien und Wertpapiergeschäften zu beschäftigen. Der Impuls zum Dividenden-Wachstum kam aus der Twitter-Community. Danke an dieser Stelle an den Finanzrocker, JungInRente und die vielen Weiteren für den inspirierenden Content auf ihren Blogs und in der Community.

Eine Frage, die ich mir dann relativ schnell stellte, war ob ich mir selbst ein Dividenden-Wachstums Portfolio bauen sollte, oder ob ich mich weiter an ETFs halte. Auch für Dividend-Growth gibt es ja einige Indizes, wie ich schnell feststellte. Diese Frage habe ich für mich auch noch immer nicht abschließend geklärt, doch kein ETF, den ich fand, konnte mich so richtig überzeugen. Alle waren entweder sehr auf einen Sektor, oder ein Land konzentriert, so dass ich eine Klumpenbildung fürchtete. Dazu kam, dass ich einige Grundanforderungen an ETFs stelle. Ich investiere nicht in unbesicherte Swap-ETFs oder in ETFs mit einem Fondsvolumen kleiner als 100 Mio. EUR. Viel bleibt da auf dem ersten Blick auch nicht mehr über. Dividend-Growth ETFs scheinen in Deutschland noch nicht so vertreten zu sein. Die, die meine Anlagekriterien erfüllten, hatten dann meist eine TER über 0,5%, was mich dann auch wieder abschreckte.

Vor einigen Tagen fand ich die Dividenden-Wachstums-Strategie von Thomas Wachinger, die mich zuerst dazu inspirierte, mein Portfolio aus Einzelaktien selbst zusammenzustellen. Das Resultat war, dass ich mich in den letzten Tagen viel mit dem Thema beschäftigt hatte und vorgestern meine erste Einzelaktie kaufte.

Es war neu für mich, mich so intensiv mit einem einzelnen Wert zu beschäftigen und zu recherchieren, doch es hat mir Freude gebracht. Vor allem, als das Wertpapier dann im Depot war.

Aufmerksam wurde ich durch einen starken Kurseinbruch am Morgen. Der Kurs, eigentlich ein schlechter Indikator dafür, ob eine Aktie in ein Dividenden-Wachstums-Portfolio gehört. Doch nach einiger Recherche arbeitete ich heraus, dass es sich hier um einen wahren „Dividendenbunker“ handelt, wie der Aktienfinder ihn bezeichnet. Ich lernte das Unternehmen etwas kennen und fand auch schnell heraus, warum der Kurs am Morgen so stark eingebrochen war. Der Vorstand hatte schlechte Zahlen für das 4. Quartal 2019 verkündet und ebenso schlechte Aussichten für 2020 gestellt. Ich hatte von dem Unternehmen grundsätzlich ja auch schon öfter gehört und sah hier einfach Vorbereitung auf Gelegenheit treffen. Ich entschied mich also dazu, etwas von meinen Kapital hier zu investieren, auch einfach um das ganze mal auszuprobieren. Seit Dienstag habe ich also Unilever im Depot und bisher scheint sich jeder einzelne Share dort wohlzufühlen :). Ich persönlich glaube, dass sich der Konzern langfristig erholen wird und die Schwierigkeiten, die er gerade hat, überwinden wird.

Ich bin mir noch immer nicht ganz einig, ob ich nicht auch in einen Dividenden-ETF investieren will, doch aktuell recherchiere ich in beide Richtungen weiter und hätte bereits einen weiteren Wert für mein Depot im Blick. Hierzu gibt es bestimmt noch einen weiteren Beitrag.

Wie bist du zum Investieren gekommen und wo führt dein Weg dich aktuell hin?

Photo by Andrew Pons on Unsplash
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